Warum „Just-One-More“?

Ok, vielleicht hätte ich diesen Beitrag als Erstes schreiben sollen aber ich bin ehrlich gesagt gar nicht darauf gekommen, bevor ihr mich angesprochen habt 🙈…

Warum heißt mein Blog „Just-Ine-More“ und was bedeutet es?

Das kleine Bild/Logo vor dem Schriftzug soll ein Chromosom sein und zusammen mit dem Schriftzug „Just-One-More“ soll es den kleinen Hinweis auf einen Menschen mit einem Chromosom mehr geben 😊

Genau genommen auf ein Chromosom 21 – denn Amelie hat das Down Syndrom und somit ist das Chromosom 21 dreimal vorhanden. Ein Chromosom mehr – Just One More.

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Wir haben das Glück, dass es wirklich nur ein Chromosom mehr ist und Amelie körperlich gesund ist. Ich weiß, dass das leider nicht bei allen Kindern mit Down Syndrom so ist…um so mehr bin ich jeden Tag dankbar dafür, dass es unserem kleinen Extrachromosom gut geht und wir uns nur mit der Erziehung und dem typischen Dickkopf rumschlagen müssen- aber auch die absolut ehrliche Liebe erfahren dürfen.

Herlich, Eure

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„Und zum Nachtisch einen Schokokuchen…“

Was ist eigentlich Glück ? Während wir uns immer nur mit Anderen vergleichen und alles höher, schneller und weiter sein muss um vermeintlich „glücklich“ zu sein, ist es bei Amelie ganz einfach…Glück und Gute Laune ist bei Amelie „zum Nachtisch ein Schokokuchen“ 😊.

Es kann ein verregneter, dunkler Tag sein- der Bus kann zu spät kommen und zu allem Überfluss vielleicht auch noch Ärger mit den Freunden und Mathe…wenn es bei Amelie in der Schule „zum Nachtisch einen Schokokuchen“ gibt, dann ist es ein guter Tag – so einfach.

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In diesem Sinne wünsche ich Euch einen schönen Samstag Abend…vielleicht können wir und daran Alle ein kleines Beispiel nehmen und probieren, unser Glück auch nicht ganz so weit weg zu suchen…

Herzlich, Eure

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Freunde für´s Leben

Vielen Menschen mit geistiger Behinderunge fällt es schwer, sich auf etwas einzulassen, was sie nicht einschätzen können oder was bei ihnen instiktiv Unruhe hervorruft. Dazu gehört auch oft der Umgang mit Tieren. So ging es uns mit Amelie auch. Sie hatte unheimliche Angst vor Hunden. Auf der einen Seite freute sie sich jedes Mal wenn sie einen Hund entdeckte, aber er durfte ihr nicht zu Nahe kommen. Sie wurde unruhig und fing an zu weinen und zu schreihen oder rannte gleich hinter den nächsten Zaun.

Mehr durch einen Zufall und eine riesen Portion Glück, haben wir von einem Freund seinen Mops Sissi zur Urlaubsbetreuung bei uns aufgenommen. Mir war klar, dass das nicht einfach werden würde mit Amelie aber mein Bauchgefühl sagte mir, dass wir es zumindest probieren mussten. Die ersten Tage waren furchtbar – Amelie rannte vor dem Hund davon und der Hund Amelie hinterher…einer von beiden fand das toll 🙂

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Da von Sissi keine Gefahr ausging (ohne Schnauze und Minizähnchen war davon eher nicht auszugehen) ließ ich die beiden erst einmal machen und war nur da wenn Amelie nach mir rief. Nach zwei Tagen änderte sich das Spiel: Amelie rannte dem Hund hinterher um ihn zu streicheln und Sissi verkroch sich bei mir, wenn sie ihre Ruhe haben wollte 🙂

Noch ein paar Tage später waren die beiden kaum noch auseinander zu bekommen uns sind seit dem enge Freunde. Vor allem ist Sissi Amelie eine große Hilfe, wenn sie wieder einmal nicht weiß wohin mit ihren Gefühlen. Sissi ist einfach da – ohne etwas zu fragen oder zu wollen.

Wir haben uns nach der Urlaubsbetreuung dazu entschlossen (ok, mein Mann hat sich nicht dazu entschlossen, er wurde entschlossen), den mittlerweile liebgewonnenen Mops zu behalten und können uns heute ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen.

Amelie hat mittlerweile keine Angst mehr vor Hunden – was nicht ganz so beruhigend ist, wie wir glaubten. Wir müssen ihr jetzt beibringen, dass es durchaus auch Hunde mit langer Schnauze und Zähnen gibt, die nicht so eine Engelsgeduld haben.

Herzlich, Eure

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Unsere Reise nach Holland

Noch bevor Amelie überhaupt auf die Welt kam, erzählte mir meine Frauenärztin eine wunderbare Geschichte: Die Reise nach Holland. Sie sagte zu mir: „Du bekommst Zwillinge – das heißt Du wirst jeden Tag von Italien nach Holland und wieder zurück reisen. Für Deine Kinder wird es eine wundervolle Erfahrung werden, beide Länder kennenzulernen.“

Die Geschichte, die sie mir erzählte, stammt von der Amerikanerin Emily Perl Kingsley.

„Wenn sie ein Baby erwarten, ist es, als planten Sie eine fantastische Urlaubsreise – nach Italien. Sie kaufen sich mehrere Reiseführer und schmieden wundervolle Pläne. Das Kolosseum in Rom. Der David von Michelangelo. Die Gondeln in Venedig. Vielleicht lernen Sie sogar ein paar Worte Italienisch. Alles ist sehr aufregend. Nach einigen Monaten voller Vorfreude ist der große Tag endlich da. Sie packen Ihre Koffer und fahren los. Einige Stunden später landet das Flugzeug. Die Flugbegleiterin kommt herein und sagt: „Willkommen in Holland.“

„Holland?“, fragen Sie. „Was meinen Sie mit Holland? Ich habe doch Italien gebucht! Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt nach Italien zu reisen.“

Aber es gab eine Änderung im Flugplan. Sie sind in Holland gelandet und müssen jetzt dortbleiben.

Das Wichtigste ist jedoch, dass Sie nicht an einem schrecklichen Ort gelandet sind, an dem Seuchen, Hungersnöte und Krankheiten herrschen. Es ist einfach nur ein anderer Ort. Also müssen Sie nun losziehen und neue Reiseführer kaufen. Und Sie müssen eine ganz neue Sprache lernen. Sie werden andere Menschen kennenlernen, Menschen, die Sie sonst nie getroffen hätten.

Es ist einfach ein anderer Ort. Das Leben ist langsamer als in Italien, nicht so hektisch und nicht so glitzernd und grell. Wenn Sie eine Weile dort sind und den Schock verdaut haben, werden Sie anfangen, sich umzusehen. Sie stellen fest, dass es in Holland Windmühlen gibt…und viele schöne Tulpen. In Holland gibt es sogar Rembrandt-Gemälde.

Doch alle anderen Menschen, die Sie kennen, sind auf dem Weg nach Italien oder kommen gerade von dort. Und alle schwärmen von dem Land und erzählen, was sie für eine wundervolle Zeit dort verbracht haben. Und für den Rest Ihres Lebens werden Sie sagen: „Ja, da wollte ich eigentlich auch hin. Zumindest hatte ich das geplant.“

Aber…wenn Sie Ihr Leben damit verbringen, der Tatsache nachzutrauern, dass Sie nie nach Italien gekommen sind, werden Sie nie in der Lage sein, die ganz speziellen und besonders liebenswerten Seiten von…Holland zu genießen.“

Ich habe das große Glück in beiden Ländern leben zu dürfen und muss ehrlich sagen, dass ich manchmal nicht weiß, in welchem Land es mir besser gefällt 😉

Herzlich, Eure

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