Achtsamkeit, Allgemein, Down Syndrom, Erziehung, Freunde, Glück, Kinder, Leben, Lernen

Freundschaft

„Es gibt Menschen, die dich nach tausend gesprochenen Worten nicht verstehen und es gibt Menschen, die dich ohne ein Wort verstehen…Freunde.“

Dieses Zitat begleitet mich schon sehr lange und es hat umso mehr an Wahrheit gewonnen, seit dem es Ami gibt. Das Vorurteil, dass behinderte Kinder weniger oder gar keine Freunde haben, als normale Kinder hält sich leider immer noch. Ich würde hier gerne mit diesem Vorurteil aufräumen, denn es stimmt nicht. Es lässt sich natürlich nicht pauschalisieren – genau so wenig wie bei „normalen“ Kindern, aber auch besondere Kinder finden Freunde und es entstehen oft sehr innige und emotionale Freundschaften.

Als Amelie in die Kita kam, war sie keine drei Jahre alt und konnte im Vergleich zu den anderen Kindern noch nicht laufen…aber sie konnte krabbeln und das in einem Affentempo. Sie konnte auch noch nicht sprechen, so wie die anderen Kinder, aber sie konnte sich dank der Gebärdenunterstützenden Kommunikation (nach Etta Wilken) die ich ihr von Anfang an beigebracht habe, verständlich machen. Die Kinder um sie herum interessierte es überhaupt nicht, dass Amelie ihre eigene Sprache sprache, sondern sie fanden es toll, von Amelie zu lernen, wie man auch ohne Worte sprechen und kommunizieren kann. Das brachte uns zwar das ein oder andere Elterngespräch in der Kita ein, weil einige der Kinder auch anfingen lieber mit den Händen als mit dem Mund zu kommunizieren, aber irgendwann fing es an, sich die Waage zu halten.

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Amelie ist heute fast 15 und spricht mittlerweile sehr gut, aber es gibt immer noch Worte, die ihr ab zu fehlen und da behilft sie sich immer noch gerne und erfolgreich mit dem sprechen der Hände. Die Freundschaften die bis heute gehalten haben und die neu dazu gekommen Freundschaften von Amelie benötigen keine Worte. Es berührt mich immer wieder, wenn ich sie mit den anderen Kinder sehe und diese so genau wissen, was Amelie meint oder sagen möchte. Amelie hat alle ihre Freunde sehr, sehr lieb und gerade jetzt, in der Pubertät – die bei behinderten Kinder nicht mehr oder weniger ausgeprägt ist, als bei anderen Pubertieren – macht ihr das typische Teenie gezicke unter Mädchen ganz schön zu schaffen. Sie leidet unter einem Streit und probiert ihren eigenen Weg zu finden, damit umzugehen. Auch hier mit wenigen Worten, aber vielen gemalten Bildern mit Herzchen und Lachmännchen, die es z.B. als Entschuldigung für ihre Freunde gibt oder einem traurigen Männchen, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt.

Es sind nicht Worte die zählen – es ist die Geste und das Verstehen.

Macht Euch keine Gedanken, wenn Eure Kinder nicht genau so schnell wie andere oder vielleicht nur sehr wenig sprechen – sie werden trotzdem Freundschaften schließen, Kinder brauchen keine Worte, sie haben ihr Herz.

Eure Daniela

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